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2. Rundbrief des kollektiv von morgen

Corona ist in aller Munde, auch uns betrifft es privat und beruflich enorm. Wir melden uns nun mit diesem Rundbrief zurück in der digitalen Welt und wollen einige kurze Informationen und Eindrücke teilen.

Was ist von morgen in dieser Krise?

Seit Beginn des Lockdowns wird viel über die Chancen und Gefahren diskutiert, die aus der sogenannten „Corona-Krise“ entstehen. In vielen politisch und nachhaltig bewegten Zusammenhängen ist klar: Das Leid, das durch die Krankheit hier und weltweit verursacht wird, ist groß und kann noch deutlich zunehmen, je nachdem wie lange die Gegenmaßnahmen andauern werden und wenn sich die langfristigen Auswirkungen des wirtschaftlichen Stillstands zeigen. Und dennoch tendieren wir dazu, diese Zeit auch als die Chance zu betrachten, die eine Krise immer bietet:
Eine Gelegenheit, dazu zu lernen und Altes zu verändern. Wir werfen eine unvollständigen, positiv motivierten Blick auf einige Dinge, die wir heute von einer möglichen Welt von morgen erleben können:

von morgen global

Was wäre, wenn...
- die derzeitige Luftqualität zum neuen Standard würde?
- ein Großteil der Flugzeuge dauerhaft am Boden bleiben würden?
- die stillstehende Autoproduktion nicht wieder anlaufen würde?
- die sog. Corona-Hilfen sich zu einem bedingungslosen Grundeinkommen weiterentwickeln würden?
- wir uns ab jetzt wirklich als eine Menschheitsfamilie verstehen würden und danach handeln?
- Einkaufen kein Hobby mehr ist und wir nur noch kaufen, was wir wirklich brauchen?
- die systemrelevanten Berufe auch entsprechend bezahlt werden würden?
- wir nicht nur Produktionskapazitäten für Schutzmasken in Deutschland aufbauen, sondern auch zur lokalen, saisonalen Lebensmittelversorgung?
- es gar keine Läden mit mehr als 800m² gäbe?
- nicht nur 50, sondern 5000 Kinder aus den Lagern in Griechenland nach Deutschland kämen?
- wenn die Rolle von Privatisierung - ob im Gesundheitssystem oder im Straßenbau - ganz neu betrachtet wird?
- wenn die Schulen, Schulämter und Kultusministerien die Chance nutzen und Bildung zu einer „Zukunftsbildung“ wird, in der Kinder nicht nur lesen und rechnen lernen, sondern auch, wie Frieden, Demokratie und Nachhaltigkeit gelebt werden können?

von morgen global

Die Corona-Krise und -Chance ist weltumfassend. Nie war so deutlich, wie alle und alles zusammenhängen, voneinander abhängig sind und! gegenseitig beitragen können. Auch ein weiterer Beweis ist erbracht: Die Weltgesellschaft ist in der Lage, angesichts einer Bedrohung innerhalb von wenigen Tagen tiefgreifende Veränderungen herbei zu führen, die sowohl das Alltagsleben als auch die Wirtschaft umfassend betreffen. Das ist gleichzeitig beängstigend und gibt uns doch Hoffnung, wenn es um die vielen anderen Themen geht, die weiterhin wichtig sind, auch wenn sie gerade ein wenig aus dem Fokus geraten sind. Und natürlich in Bezug auf die Klimaveränderung – wo wir seit Jahren schnelles Handeln fordern und zu wenig passiert.
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von morgen glokal

Hier in Marburg und der Region passiert trotz Corona Einiges, wenn auch teilweise langsamer und anders als geplant.
  • Der Marburger Klimaaktionsplan ist laut Auskunft der Stadt Marburg weiter in Arbeit – gerade läuft der Prozess stadtintern in vier Arbeitsgruppen: Energieerzeugung und Bauen, Mobilität, Unterstützung für die Stadtgesellschaft sowie klimaneutrale Flächennutzung. Wir sind gespannt wann und wie es damit weiter geht. Und wer noch einen Blick in einen bundesweiten Klimaplan von unten werfen will kann das hier machen.
  • Währenddessen wird die Marburger Stadtgesellschaft auch selbst aktiv: Aus der Veranstaltung zum Klimaaktionsplan im Oktober 2019 ist die Initiative „Mehr Bäume für Marburg“ hervorgegangen, deren Ziel es ist Bäume zu pflanzen und zu pflegen um klimastabilisierend, ernährungsrelevant und biodivers Stadt und Umland zu bereichern. Die Initiativgruppe sucht noch weitere Mitmacher*innen und Kooperationsmöglichkeiten – siehe hier!
  • Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat ein neues Bürgerbudget für Nachhaltigkeitsprojekte! Ab jetzt können sich Initiativen und Projekte aus dem Landkreis hier über die Förderung und Bewerbung informieren!
  • An der Uni Marburg gibt es im Sommersemester eine online-Ringvorlesung mit dem Titel "Das Gute Leben in Gegenwart und Zukunft" mit spannenden Referent*innen. Das Programm findet ihr hier!
    Was wäre eigentlich wenn viele viele Marburger Initiativen und Gruppen am 06.Juni2020 am globalen Aktionstag für das gute Leben dezentral / online / Corona-kompatibel aktiv werden würden?
    Bei Interesse das gemeinsam zu entwickeln könnt ihr euch gerne melden...
  • Überall in Deutschland haben sich lokalen Nachbarschaftshilfen organisiert, um insbesondere den Menschen, die zur Risikogruppe gehören, Unterstützung anzubieten, so auch in Marburg. Mehr Informationen zur zivilgesellschaftlichen Initiative unter: https://solidarburg.de und zur städtischen Koordinationsstelle.
  • Und jetzt erst recht: regional, ökologisch/ bio und fair einkaufen, stärkt die ökonomische und soziale Resilienz (Widerstandsfähigkeit) in der Region und bindet uns stärker ins Beziehungsnetz ein!
    www.marburg-liebe.de
    www.meine-marburger-region-entdecken.de/
    www.marburg.de/leben-in-marburg/umwelt-klima/fairer-handel/aktionen-und-projekte/
    www.kartevonmorgen.org
  • Der Bildungsurlaub "Wirksam werden" Gestalte dein eigenes Klimaschutz- / Nachhaltigkeitsprojekt" musste in dieser Woche auch abgesagt werden.
    Aber im September gibt es eine neue Gelegenhei daran teilzunehmen.
    Mehr Informationen sind hier zu finden!
  • Wer jetzt Zeit hat, ist aufgerufen, mit wachen Augen durch die Umgebung zu gehen: Was stärkt mich, meine innere Balance, meine Gesundheit in diesen Zeiten? Wer braucht Unterstützung und kann ich etwas anbieten? Wo fällt mir auf, dass eine einfache, kleine Maßnahme die Krisenfestigkeit deutlich erhöhen könnte? und – zack, umsetzen. Wo fällt mir auf, dass meine Nachbarschaft ein super Netzwerk für bestimmte Ressourcen wäre? Und zack – ins Gespräch gehen… Viel Spaß dabei!

Inspirationen von heute für morgen

  • Initiative “Neues Wirtschaftswunder”
    "Wir halten es für zwingend erforderlich, dass kommende Konjunkturpakete sich nicht an die Erhaltung des alten Systems klammern. Es muss darum gehen, die natürlichen Grenzen unseres Planeten anzuerkennen und endlich in Einklang mit einem zukunftsgerichteten, dem Gemeinwohl dienenden, Wirtschaftssystem zu bringen. Tun wir dies nicht, werden wir und vor allem unsere Kinder und Enkel einen noch viel höheren Preis zahlen müssen."
  • Vom Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig gibt es einerseits nun das Buch "degrowth in Bewegung(en)" kostenfrei online und andererseits den aktuellen Call für die Konferenz "Zukunft für alle" im Herbst 2020!
  • Falls es mal einen positiven Ausblick braucht – so könnte ein wertschätzender Rückblick aus dem Jahre 2024 klingen:
    "Ich habe einen Traum. Ich sitze an einem sonnigen Tag April 2024 in einem Café in unserer Kreisstadt, genieße die Frühlingssonne, und lasse die Ereignisse der letzten 4 Jahre an mir vorbeiziehen. Unglaublich, was da geschehen ist. Hätte uns das jemand im Februar 2020 prognostiziert, niemand hätte so eine Entwicklung für möglich gehalten. Doch jetzt schauen wir zurück, auf diese seltsamen Wandel-Jahre, die ihren Impuls von einem winzig kleinen Virus bekamen...." -weiterlesen-
  • Und hier ein motivierender Blog-Eintrag von Rob Hopkins, dem Gründer der Transition Towns auf Englisch:
    "Clearly, no-one would choose to celebrate the circumstances under which these changes have happened. This is not how these changes should have happened. But recent weeks show that in fact, as opposed to the prevailing “there is no alternative” narrative, there is of course an alternative. Anything is possible. But then you always knew that…" - weiterlesen-
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"change is happening, by design and by desaster"

Gerade erreicht uns noch die Nachricht, dass die große Koalition auf Bundesebene laut Nothilfebeschluss besonders darauf achten wird, „Belastungen für Beschäftigte und Unternehmen durch Gesetze und andere Regelungen möglichst zu vermeiden“.
Das freut uns sicher alle, doch wer von euch denkt auch sofort daran, dass das zulasten der Paris-Ziele gehen könnte?
Bleibt wach, bleibt gesund, stärkt euch und eure Netzwerke und macht es nicht alleine, aber macht es! Das ist alles ganz schön aufregend!

PS: Und wenn ihr gerade dabei seid, tolle, neue Projekte und Nachbarschaftsbeziehungen zu schaffen, schreibt uns gerne!
post@kollektiv-von-morgen.de

Wir sammeln, teilen, geben weiter…

Herzliche Grüße aus dem home-office
Almut, Alexander, Ann, Dirk, Dominik, Merle, Sirin
kollektiv von morgen
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